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Ritter |
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![]() Ritter (lat. eques, franz. chevalier, ital. cavaliere span. caballero) war die Bezeichnung für die wehrhaften, adeligen Gefolgsleute des Königs und des Hochadels. Jeder Adlige, der "Kriegsdienst" leistete, konnte diesen Titel erwerben, sofern seine wirtschaftlichen Verhältnisse dies zuließen. In einem feierlichen Akt, ursprünglich der Schwertleite, später dem Ritterschlag, wurde man vom Herrscher zum Ritter erhoben, vorausgesetzt man brachte die dafür notwendigen sittlichen und militärischen Qualitäten mit. Seit dem 13. Jahrhundert bilden Ritter einen erblichen Stand. Militärisch gesehen handelte es sich eigentlich um Kavallerie, woher auch die Bezeichnung (Ritter = ursprünglich Reiter) herzuleiten ist. In vielen Situationen sahen sich die Ritter allerdings gezwungen, abzusitzen. Definition und AbgrenzungAllerdings waren wohl die meisten Adeligen des Mittelalters keine "richtigen Ritter". Aus finanziellen und familiären Gründen zogen es viele vor, Zeit ihres Lebens Edelknechte (Armige), also ritterbürtige und waffentragende Krieger zu bleiben. Besonders bei Turnieren wurde streng zwischen Rittern und Edelknechten unterschieden. So durften Ritter beispielsweise mit drei Pferden auf dem Turnierplatz erscheinen, Knechten wurden nur zwei zugestanden. Vor großen Schlachten versuchten viele Feudalherren die Kampfmoral Ihrer Truppen zu stärken, in dem man diese Edelknechte in großer Anzahl in den Ritterstand aufnahm. So soll der polnische König unmittelbar vor dem Treffen bei Grunwald/Tannenberg die Ritterwürde an tausend seiner "Szlachtschitzen" verliehen haben. Diese "Promotionen" kamen natürlich auch nach der Schlacht vor. Gelegentlich wurden sogar tapfere nichtadelige Kriegsknechte zu Rittern geschlagen oder mit dem Schwert umgürtet. Diese Standeserhöhungen waren aber meist nur symbolischer Natur, vergleichbar mit heutigen Ordensverleihungen. Den so ausgezeichneten Knechten fehlten meist die nötigen finanziellen Mittel, um die Ritterwürde dauerhaft anzunehmen. Einige besonders tapfere Kämpfer wurden sogar mehrere Male zum Ritter gemacht, blieben aber weiterhin Edelknechte. Manchmal wurde die Ritterwürde allerdings auch gegen die Zahlung einer nicht unerheblichen Summe erkauft. So ließ sich etwa ein französischer Feldherr des Hundertjährigen Krieges zum Ritter des Deutschen Ordens schlagen. Die Ritterwürde war also auch bei Hochadeligen keinesfalls selbstverständlich. Wie zahlreiche Urkunden belegen, gab es besonders im späteren Mittelalter weitaus mehr "Edelknechte" als "Ritter". Dies betraf natürlich vor allem die Angehörigen der kleineren Dienstadelsgeschlechter, die oft bereits die Ausrichtung der "Promotionsfeier" nach der Schwertleite oder dem Ritterschlag in arge finanzielle Nöte brachte. Insbesondere der Unterhalt der als Standard vorgesehen drei Ritterpferde und der entsprechenden Anzahl von Knechten überstieg die Finanzkraft der meisten Kleinadeligen. Wohlhabende, aber bequeme oder geizige Edelknechte wurden teilweise sogar durch Verordnungen zum Erwerb der Ritterwürde gezwungen. Man beachte hier auch das englische "Knight", das nichts anderes als "Knecht" bedeutet. Die Ritterwürde scheint im späteren Mittelalter immer entbehrlicher geworden zu sein. Nicht jeder gepanzerte Reiter des Mittelalters war also ein "Ritter" des "engeren" Wortsinnes. Allerdings wurden die Begriffe Ritter und Edelknecht bereits im Mittelalter nicht einheitlich verwendet. Manchmal werden ritterliche Dienstmannen oder Knappen als Edelknechte bezeichnet, gelegentlich sogar bäuerliche Kriegsknechte als Ritter. Manche Forscher zweifeln deshalb sogar die Existenz eines einheitlichen "Ritterstandes" an. Der Begriff "Ritter" begegnet uns zuerst in Schriftquellen des 12. Jahrhunderts. Ursprünglich umfaßt er alle berittenen Krieger, vom nichtadeligen Kriegsknecht bis zum Hochadel. Später wandelte er sich in eine Standesbezeichnung, dem "Ritter" klassischer Definition. Dieser "Ritterstand" scheint aber niemals so abgeschlossen gewesen zu sein, wie meist angenommen wird. Tüchtigen oder gerissenen Nichtadeligen gelang immer wieder der Aufstieg in diese Gesellschaftsschicht, deren "ritterliche" Ideale rasch einem gesunden Pragmatismus weichen mußten. Viele unserer Vorstellungen über Ritter und das Rittertum gehen auf spätere Idealisierungen und Pauschalierungen zurück. Die politischen, kulturellen und wirtschaftlichen Verhältnisse in den verschiedenen Teilen Europas unterschieden sich deutlich. So waren etwa "englische" und "skandinavische" "Ritter" für die Rückständigkeit ihrer Ausrüstung berüchtigt; diese Länder waren einfach zu weit von den großen Zentren der Waffenproduktion in Oberitalien und Deutschland entfernt. Viele große Feudalherren bedienten sich lieber der "preiswerteren" Edel- und Kriegsknechte, als eine mächtige und wohlhabende Ritterschaft um sich zu dulden. Die Entwicklung des RittertumsBereits die Bezeichnung "Ritter", abgeleitet von germ. ridare (= reiten), bzw. ital. cavaliere, franz. chevalier hergeleitet von spätlateinisch caballum (= Pferd) hergeleitet), weist auf den Ursprung des Rittertums hin: die in der Spätantike entstandene Panzerreiterei. Die Ursprünge des Rittertums liegen im heutigen Frankreich, das "fränkische (französische)" Rittertum wurde über das niederländisch-lothringische Sprachgebiet nach Osten vermittelt, "Ritter" ist folgerichtig ein Lehnwort aus dem Niederländischen (Ridder). Von Deutschland breitete sich die Ritterkultur bis weit nach Osteuropa aus, besonders Böhmen entwickelte eine späte, aber um so eindrucksvollere Ausprägung. Der Aufgang des Mittelalters: FrankenreichIm Frankenreich der Merowinger und Karolinger wurde der Panzerreiter mehr und mehr zum Träger der Stoßkraft in den kriegerischen Aufgeboten, obgleich Fußvolk und leichte Reiterei weiterhin die Masse der Militärmacht stellten. Der erhebliche materielle Aufwand, den der einzelne Freie für den Kriegsdienst zu leisten hatte, führte bereits in karolingischer Zeit dazu, daß nur solche Freien, die mehr als 9 Hofstellen besaßen, voll "wehrpflichtig" waren; ärmere mussten (nach einem detaillierten Schlüssel) zu mehreren gemeinsam nur einem von ihnen den Kriegsdienst finanzieren und ihn entsenden. Zur Finanzierung gehörten nicht nur Ausrüstung und Bewaffnung, auch für den Lebensunterhalt während des Feldzuges mußte der "Wehrpflichtige" selber sorgen. Noch höher war naturgemäß der Aufwand für den Panzerreiter - ein schweres und besonders ausgebildetes Kriegspferd (der dextrier) und ein teurer Panzer wurden benötigt, vielfach auch noch Knechte als Begleitpersonal. Entsprechend kamen als Panzerreiter nur Reiche - entweder aus eigenem Besitz (Allod) und/oder aus königlichen Lehen - in Betracht. Durch diese Aufgabenteilung entstand eine "Kriegerkaste" - das germanische Volksheer der Völkerwanderungszeit blieb nur mehr in Resten erhalten und der mittelalterliche Adel bildete sich herausBewaffnung und Ausrüstung des Ritters im HochmittelalterZu seinem Schutz trug der hochmittelalterliche Ritter Kettenhemd, Helm und Schild, als Waffen Lanze, Schwert und Dolch. Ursprünglich trug man einen Schuppenpanzer, der vermutlich erst im 12. Jahrhundert vom Kettenhemd (Ringelpanzer) abgelöst wurde. Unter einem Kettenhemd wurde ein wattiertes Hemd, der sogenannte Gambeson, getragen. Dieser diente hauptsächlich dazu, die Wirkung eines Schlages oder Stoßes, der die Panzerung nicht durchdrang, auf eine größere Fläche des Körpers zu verteilen, um damit die Gefahr von Knochenbrüchen zu vermindern. Möglicherweise wurde der Gambeson teilweise durch einen Unterpanzer aus dickem, gehärteten Leder ersetzt. Über dem Panzerhemd wurden zum Schutz vor Sonneneinstrahlung und zur Identifikation des Trägers ein Waffenrock oder Wappenrock in den Wappenfarben seines Trägers und ein weiter Umhang getragen. Ergänzt wurde das Ganze durch eine [[Panzerkapuze]] mit weit ausladendem Kragen, die später auch am Helm befestigt sein konnte, sowie durch Panzerhandschuhe und „Strümpfe“, alles nach der gleichen Methode hergestellt wie das jeweils verwendete Panzerhemd. Ab dem späten 13. Jahrhundert kamen Zusatzpanzerungen in Form von vorgehängten Metallplatten als Brustpanzer auf sowie andere, aus massivem Eisen bestehende Schutzteile. Man wollte besseren Schutz gegen den verbesserten Lanzenangriff und gegen die Armbrust. So entstand im 14. Jahrhundert allmählich die Plattenrüstung. Der Helm war halbkugelförmig bis spitz-oval, aus massivem Eisen und innen ausgepolstert, und hatte fast immer einen zusätzlichen Schutz für die Nase. Zu Ende des 12. Jahrhunderts tritt erstmals der Topfhelm auf, der das Gesicht zwar besser schützt, aber das Gesichtsfeld wesentlich einschränkt. Im 13. Jahrhundert setzt er sich schließlich durch, und im 14. Jahrhundert wurden besonders hohe Topfhelme über einer leichten Beckenhaube mit daran befestigter Kettenhaube getragen. Helmformen des 15. Jahrhunderts waren die Hundsgugel, mit ihrem namengebenden schnauzenförmigen Visier, der Schaller als der' Helm des Spätmittelalters und andere. Weit verbreitet waren auch die Beckenhaube und der Eisenhut, als die preiswertesten und praktischsten Helmformen, doch wurden diese v.a. vom „gemeinen Fußvolk“ getragen. Der Topfhelm blieb allerdings bis in die Neuzeit das Urbild des ritterlichen Helmes, besonders in der Heraldik. In der frühen Neuzeit trugen die letzten Ritter weiterentwickelte Formen des Armets, welcher bereits Mitte des 15. Jahrhunderts, also zeitlich zwischen Hundsgugel und Schaller, verwendet wurde. Der Schild hatte zunächst die längliche Mandelform (Normannenschild) und später die "klassische" Form des Wappenschildes (Dreiecksschild), bei der die verlängerte untere Spitze dem Schutz der Beine diente. Er war aus Holz gefertigt, meistens mit Leder, oder Pergament bezogen, und hatte eine Randverstärkung z.B. aus Rohhaut. Seltener waren Randverstärkungen aus Metall. Teilweise zeigten die Schilde aber auch eiserne Verstärkungen auf der Vorderseite oder trugen in ihrer frühen Form einen Schildbuckel aus Metall. Gehalten wurde er mit einer Schlaufe am Unterarm und einem Griff für die linke Hand, zusätzlich war er mit einem Gurt - der sogen. Schildfessel - um den Nacken gegen Verlust gesichert. Beim Reiterangriff erleichterte die Schildfessel aber auch das Führen des Schildes, wobei die Linke Hand den Griff loslassen und die Zügel festhalten konnte. Der Schild konnte nur durch Druck des Unterarms dirigiert werden. Mit dem Aufkommen der Plattenpanzer wurden die Schilde immer kleiner, bis sie im Spätmittelalter ganz entbehrlich wurden. Der Ganzkörperharnisch bot nun genügend Schutz. Die Lanze ist die Primärwaffe des Ritters beim Reiterangriff. Sie wurde zunächst "über dem Kopf geschwungen" bzw. zum Stoß geführt; ab dem 12. Jahrhundert wurden die Lanzen länger, und es wurde üblich, sie unter die Achsel zu klemmen (eingelegte Lanze). Eine wesentliche Rolle spielte hierbei der Steigbügel. Wenn man im Sattel aufstand, konnte die eingelegte Lanze maximale Kraft erzeugen, da sie die Energie direkt vom Schlachtroß bezog. Damit wurden sie auch mehr oder weniger zu „Einwegwaffen“, die nach dem ersten Zusammenprall zu unhandlich oder auch zerbrochen waren und dann weggeworfen wurden. Die Lanze war die klassische Angriffswaffe des Ritters. Um die Wucht zu vergrößern, wurden die Lanzen immer länger und dicker und sie erhielten außerdem einen Handschutz. So war gegen Ende des 14. Jahrhunderts ein etwa 5m langes Monstrum entstanden, welches am Griff dünner sein mußte, um diesen überhaupt umfassen zu können - viel zu schwer für einen einzelnen Mann, um damit richtig treffen zu können. Deshalb mußte am Brustpanzer ein spezieller Rüsthaken befestigt werden, in den die Lanze eingelegt wurde, was das Ganze wieder etwas erleichterte. Doch in Kombination mit der bereits ziemlich schwer gewordenen Rüstung waren die Ansprüche an Mensch, Pferd und Gelände so sehr gestiegen, daß immer mehr Ritter absitzen und als eine ArtPikenier (mit Ritterlanze und in voller Rüstung!) in der Defensive kämpfen mußten. Diese Kampfweise hatten die Engländer im 100jährigen Krieg bereits erfolgreich vorgemacht. Das Schwert, die Sekundärwaffe des Ritters, war die Hauptwaffe im Nahkampf nach dem ersten Zusammenprall; es wurde im Früh- und Hochmittelalter hauptsächlich als Hiebwaffe verwendet und einhändig geführt. Erst im Spätmittelalter wurden sogen. Anderthalbhänder - also Schwerter, die meist mit beiden Händen geführt wurden, verbreitet. Das hing sicherlich mit den immer stärkeren Rüstungen zusammen. Der klassische Anderthalbhänder kann sowohl als mächtige Hiebwaffe (mehr Kraft durch das Führen mit beiden Händen), als auch als Stoßwaffe (der Ort - also die Spitze - läuft hierbei sehr spitz zu) genutzt werden und damit für Stiche in die wenig geschützen Gelenkbereiche der Rüstung eingesetzt werden. Getragen wurde es auf der linken Seite in einer Scheide, die am Gürtel befestigt war und in aller Regel aus Holz gefertigt, mit Fell ausgekleidet und mit Leder bezogen war. Eine deutsche Besonderheit waren die eisernen Ketten, mit denen manche unserer hochmittelalterlichen Ritter ihre Schwerter an den Brustplatten der Harnische befestigten. Ab dem 13. Jahrhundert trug man angeblich häufig ein zweites, besonders schweres Schwert, welches für den Kampf zu Fuß (z.B. bei einer Belagerung) bestimmt war und am Sattel befestigt wurde (Sattelbaumschwert). Es konnte durch seinen verlängerten Griff auch mit 2 Händen geführt werden. Die historische Belegbarkeit solcher Schwerter ist aber zumindest anzuzweifeln. Der Dolch (oder ein Kurzschwert) war eine Reservewaffe für den Fall, daß das Schwert verlorenging oder zerbrach. Daneben gab es noch eine Vielzahl anderer Waffen, die von Rittern geführt werden konnten; dazu zählten vor Allem die Streitaxt und der Streitkolben. Besonders Letzterer war für seine Effektivität gegenüber Plattenrüstungen gefürchtet. In der Regel zog der Ritter mit einem Gefolge in den Krieg. Dieses bestand anfangs zumeist aus einem Knappen sowie einigen Knechten. Später mussten sie oft noch weitere Kämpfer zu Pferd oder auch zu Fuß mitbringen. Ritter und Gefolge zusammen wurden als Gleve oder Glefe bezeichnet – eigentlich ein anderes Wort für Lanze, außerdem wurde so eine Waffe für Fußsoldaten genannt, siehe Glefe. Die Bewaffnung und Ausrüstung der hoch- und spätmittelalterlichen Ritter und Edelknechte kann anhand tausender erhaltener Epitaphien und Grabmäler nahezu lückenlos dokumentiert werden. Leider wurden diese für Historiker und Kostümkundler so ungeheuer wichtigen Denkmäler bis heute nur gelegentlich regional inventarisiert. In manchen Kirchen treten uns ganze Heerscharen Gewappneter in Lebensgröße entgegen. Gelegentlich sind sogar originale Ausrüstungsteile in das Bildnis integriert (Sporen, u.a.). Während diese Grabmäler auf dem Kontinent meist voll- oder halbplastisch ausgearbeitet sind, kann man in England oft wunderschöne gravierte Messingplatten in den Gotteshäusern studieren. Das Abreiben dieser Tafeln mit Wachsstiften auf Papier ist in England ein Volkssport (Brassrubbing). Originale Ausrüstungsteile aus dem Hochmittelalter haben sich natürlich wesentlich seltener erhalten als spät- und nachmittelalterliche. Hochmittelalterliche Helme, Harnischteile, Kettenhemden und Schilde sind als unbezahlbare Museumsstücke im Antiquitätenhandel extrem rar, meist werden nur schlecht erhaltene Boden- und Flussfunde angeboten. Von den „erhaltenen“ Exemplaren dürften zudem einige im 19. Jhdt oder später gefälscht oder überarbeitet worden sein. Schwerter sind in größeren Stückzahlen überliefert, allerdings ist auch hier in den letzten beiden Jahrhunderten einiges – oft in hervorragender handwerklicher Qualität – hinzugekommen. Die Kampfkunst der RitterWie alle elitären Kampftruppen, wurden auch die adeligen Ritter seit ihrer Kindheit systematisch ausgebildet. Die meisten Kampfsysteme entstanden in Deutschland,Italien und Spanien, gleichzeitig der Staaten, wo die europäische Metallschmiedekunst ihre Blüte erlebte. Die Kampfkunst bestand aus acht Teilen, die in diversen Schulen teils in der Reihe, teils parallel unterrichtet wurden.
Diese Disziplin wurde seit frühester Kindheit gelehrt und praktiziert. Es handelte sich überwiegend um Greif-, Wurf-, Halte- und Hebeltechniken, die am Ehesten mit dem japanischen Yoroi Kumiuti verglichen werden können. Schläge und Tritte dagegen, wurden aufgrund ihrer Effektlosigkeit gegenüber Panzerung, kaum praktiziert. Gleichzeitig wurde durch das Training die gesamte körperliche Fitness verbessert, man achtete besonders auf die Stärke und die Schnelligkeit der Techniken. Man kann heute davon ausgehen, dass ausgebildete Knappen Meister im Brechen von Armen und Beinen waren.
Auf den Umgang mit dem Dolch(Kurzschwert) wurde oft mehr Wert gelegt, als auf das Schwert. Schließlich hatte ein Ritter auch in Friedenszeiten immer einen Dolch dabei und er musste stets in der Lage sein, sich damit verteidigen zu können. Hier übertrafen die Europäer wohl alle anderen Nationen der Welt, allein im Lehrbuch "Flos Duellatorum" (1409/1410) sind mehr als 80 verschiedene Techniken zur Bekämpfung von geharnischten und bloßen Gegnern ausführlich beschrieben. Auf dem Schlachtfeld war der Dolch unersätzlich, vor allem wenn die Hauptwaffe verloren- oder kaputtging, was nicht selten geschah.
Wie erwähnt war das Langschwert die Hauptwaffe des Ritters. Gelehrt wurden vor allem Hieb-, Stich-, Parier- und Griffstoßtechniken, ebenso die Schwachstellen einer Ketten- bzw. Plattenrüstung. Optional wurde das Fechten mit dem Bidenhänder beigebracht, was aufgrund besonderer körperlicher Voraussetzungen erst später in die Mode kam.
Hier wurde die Schnelligkeit und Geschicklichkeit gewertet, trotz eines Zusatzgewichts von bis zu 20 kg und mehr, gewöhnlich kämpfen zu können. Der Knappe lernte das Absorbieren von Hieben, das Ausweichen im schwerer Panzerung sowie das Ringen mit Zusatzgewicht.
Das Führen der gewichtigen Reiterlanze, teilweise bis zu 5 m lang, erforderte besondere Kraft und Geschicklichkeit. In diesem Bereich wurde die Genauigkeit eingeübt, ein kleines Ziel beim Reiten sicher treffen zu können. Da die Lanze zunehmend die Stoßkraft der Reiterei bildete, wurde diese Disziplin streng praktiziert.
Darunter versteht man Äxte, Kriegshammer, Morgensterne, Spieße, Dreschflegel, Knüppel und andere Waffen. Da sie im Kampf schwersten Schaden verursachten, waren sie im Kampf überaus beliebt und wurden separat unterrichtet.
Diese Disziplin konnte bereits in der Kindheit gelehrt werden und war auf dem Schlachtfeld überlebenswichtig.
Der berittene Krieger beherrschte eine Anzahl von Steigbügeltechniken, das Lenken des Schlachtrosses und die Beweglichkeit im Sattel. Kultur und AlltagDie ritterliche Kultur übte schon früh eine große Faszination aus. Fürsten, Könige und Kaiser ließen sich auf ihren Siegeln als Ritter darstellen und traten bei Turnieren auf den Plan. Da die Körperpanzerungen die Anonymisierung des Kriegers mit sich brachten - man Freund und Feind aber unterscheiden mußte - begann man damit, Erkennungszeichen auf den Schilden und Waffenröcken anzubringen. Aus diesen, ursprünglich einfachen Symbolen entwickelte sich die mittelalterliche Heraldik. In der polnischen Heraldik hat sich noch viel von der einfachen Symbolik dieser frühen Wappenbilder erhalten. Fahrende Sänger zogen im hohen Mittelalter von Hof zu Hof und besangen die Heldentaten der ritterlichen Helden. (Nibelungenlied, Rolandslied). Später entwickelte sich das Phänomen des Minnedienstes, also der selbstlosen Hingabe an eine unerreichbare "Hohe Frau" ("Frouwe"), der man ohne Hoffnung auf eine irdische Belohnung diente. Zur Befriedigung seiner natürlichen Bedürfnisse bediente man sich hingegen der "Maget" ("Wip"), auf die unsere Ritter natürlich eine große Anziehungskraft ausübten. Der zahlreichen unehelichen Kinder, die aus diesen Verhältnissen entsprossen, scheint man sich keineswegs geschämt zu haben. Wohlhabende Ritter ermöglichten ihren illegitimen Söhnen oft sogar den Erwerb der Ritterwürde. Die "Bastarde" durften sogar das Wappen des Vaters verwenden, mußten diesem aber den Bastardstreifen hinzufügen, der schräg über das Schild gelegt wurde. Dieser Streifen findet sich noch heute im Wappen einiger Adelsfamilien. Bezeichnenderweise führten einige der tapfersten und berühmtesten Ritter Europas dieses keineswegs diskriminierende Symbol im Schilde, einige sind sogar die Stammväter heute noch blühender Hochadelsfamilien. Der einflußreichste dieser "Bastarde" war wohl der Begründer der heutigen englischen Nation, der berühmte Wilhelm I. der Herzog der Normandie (Wilhelm der Eroberer). Wilhelms Mutter war die schöne Arlette, Tochter eines Gerbers. An der Seite der Jungfrau von Orleans kämpfte Dunois, der "Bastard von Frankreich", ein unehelicher Sohn des französischen Königs. Der Alltag eines Dienstmannes oder eines der "Herren" der unzähligen kleinen Burgen im deutschen Sprachraum dürfte eher eintönig verlaufen sein. Die meisten Ritter und Edelknechte waren eigentlich nichts anderes als größere Bauern, denen der Pflug genauso vertraut war wie das Schwert. Neben der Feldarbeit war die Jagd die Hauptbeschäftigung dieser Kleinadeligen, die stets auf der Hut vor wilden Tieren und menschlichen Feinden sein mußten. Auf den kleinen Burgen herrschten - aus heutiger Sicht - unzumutbare Lebensverhältnisse. Mensch und Tier mußten sich den begrenzten Raum teilen, die hygienischen Verhältnisse waren gewöhnungsbedürftig, die Kindersterblichkeit war hoch. Viele Burgen entwickelten sich zu Ganerbenburgen mit zahlreichen Bewohnern, Konflikte konnten hier natürlich nicht ausbleiben. Viele der ehemals "edelfreien", also altadeligen Familien mußten ihren Besitz an mächtigere Feudalherren übertragen, von denen sie diesen als Lehen zurückerhielten. Dies geschah nicht immer nur unter Zwang, die "Dienstmannschaft" konnte sehr lukrativ sein, viele Dienstleute erreichten hohe Stellungen am Hofe ihres Herren. Jener mußte sich natürlich im Gegenzug am Ausbau und der Sicherung der Burg des Dienstmannes beteiligen. Im Kriegsfall konnte bereits eine eher harmlose Verletzung den Tod oder die dauernde Invalidität zur Folge haben. Die Ausrüstung der mittelalterlichen Krieger entsprach selten dem neuesten Stand der Waffentechnik, man trug oft Rüstungsteile aus verschiedenen Jahrhunderten in buntem Durcheinander. Fehlende Teile der eigenen Ausrüstung ergänzte man natürlich gerne auf dem Schlachtfeld. Im Zweikampf versuchte man den Gegner möglichst nicht zu töten, zumindest wenn jener ein wohlhabender Adeliger war. Das Fordern von Lösegeld war eine beliebte Methode, die eigenen Finanzen aufzubessern. Die Gefangenen wurden aber selten in das Burgverlies geworfen, meist speiste der Häftling mit am Tisch des Siegers, er mußte nur bei seiner Ritterehre schwören, nicht zu fliehen. Untergang der RitterschaftDer Niedergang der Ritterschaft steht im Zusammenhang mit der Verdrängung der Naturalwirtschaft durch die Geldwirtschaft, was auf militärische Verpflichtungen bezogen die Ablösung von feudalen Bindungen durch finanzielle Bindungen zur Folge hatte. Die Fürsten und Könige des Spätmittelalters wollten sich aus der Abhängigkeit von ihren Untervasallen lösen, weshalb sie verstärkt auf Söldnerheere setzten. Dadurch verloren die Ritter stark an Bedeutung, da sie zuvor die wichtigste Stütze der feudalen Heeresaufgebote gebildet hatten. Die allmähliche Auflösung der Ritterschaft stärkte die Macht der Könige und Kaiser und schwächte mehr und mehr die Ritter und deren Zusammenhalt. Man kann durchaus davon sprechen, daß viele Ritter eine Daseinskrise erlebten. Die Ritterschaft verarmte. Um sich selbst noch Bedeutung zu verschaffen und noch eine Überlebensgrundlage zu erhalten, gingen nicht wenige Ritter zum Raubrittertum über, in dessen Zuge sie andere Adlige und benachbarte Ritter ausraubten und bekämpften. Das Chaos und die innenpolitische Unsicherheit, das die Raubritter damit verbreiteten, besiegelten endgültig den Untergang des Rittertums. Die Truppen des Landesherrn hoben nun ohne Gnade ein Raubritternest nach dem anderen aus. Viele Ritter paßten sich den veränderten Gegebenheiten an und traten als hochbezahlte Söldner in eine Lanzierer- oder Kürassier-Einheit ein. Als letzte "richtige Ritterschlacht" gilt die Schlacht bei Mühldorf/Ampfing im Jahre 1322. Die Reichsritterschaft verlor mit dem Ende des "Heiligen Römischen Reiches" zwischen 1803 und 1806 ihre Herrschaftsrechte und Privilegien. Vergleiche Reichsdeputationshauptschluss In Österreich und in Süddeutschland wurde der Titel eines "Ritters" noch im 19. und frühen 20. Jahrhundert bis 1918 bei Nobilitierungen neu vergeben. Es bestanden Verdienstorden, deren Träger um die Nobilitierung ansuchen konnten (meist waren die Angehörigen der dritten Klasse berechtigt, um die Erhebung in den Ritterstand anzusuchen). Vergl. zum Beispiel Orden der Eisernen Krone. In Großbritannien werden auch heute noch Personen zur Würdigung ihrer Verdienste zum Ritter (englisch: knight) geschlagen. Sie dürfen dann den Titel Sir (bei Frauen: Dame) tragen. Dieser Titel ist nicht vererbbar. Nachklang und "Wiedergeburt"In den letzten Jahren ist es im Zuge des allgemeinen "Mittelalterbooms" zu einer "Renaissance des Rittertums" gekommen. In den Sommermonaten kann man überall "Ritterturniere" und "Mittelaltermärkte" besuchen. Das Bild, das hierbei vom Mittelalter vermittelt wird, hat natürlich mit der geschichtlichen Realität weniger zu tun, aber es vermittelt zumindest ein romatisches Gefühl. Man kann sogar in Kaltenberg französische Stuntmänner in Plastikrüstungen und schwarzlackierten Footballpanzerungen bewundern. Seriöses "Reenactment" wird heutzutage von mehreren engagierten Gruppen und Einzelpersonen betrieben, dies allerdings auf hohem Niveau. Dieses seriöse Reenactment leistet einen nicht zu unterschätzenden Beitrag zum Verständnis des gesellschaftlichen Phänomens "Rittertum". Die Lebensverhältnisse der damaligen Menschen unterscheiden sich so grundlegend von den unsrigen, das eine Beurteilung durch reine "Schreibtischtäter" der Wahrheit nicht gerecht werden kann. Leider haben die meisten Historiker und Forscher niemals im Harnisch oder dem Kettenhemd auf einem Pferd gesessen oder versucht, die Schwertschläge eines Gegners mit einem "authentischen" Nachbau eines Ritterschwertes zu parieren. Geschichte lässt sich leider nicht nur aus Urkunden und Schriftquellen rekonstruieren, diese spiegeln die harte Realität längst vergangener Zeiten nur sehr unvollkommen wieder. Aber auch die "aktive" Beschäftigung mit der Vergangenheit kann immer nur Annäherung an die historische Wahrheit sein, niemals exaktes Nacherleben einer längst vergangenen Epoche. Doch weckt dies das gesellschaftliche Interesse an eine interessante Zeit. Der "Ritter" und seine Ideale wird immer neu belebt, wie sogar große Kinofilme aufzeigen! |
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